Arbeitsrecht: was tun bei einer Abmahnung?

Businessman discussing with colleague in office --- Image by © A. Chederros/Onoky/Corbis

Eine Abmahnung im Job ist eine ernst zu nehmende Angelegenheit. Häufig ist sie der erste Schritt zur Kündigung. Handeln Sie überlegt, wenn Sie abgemahnt werden.

Ihr Chef wirft Ihnen vor, dass Sie Ihre Arbeit nicht richtig gemacht haben und dass das Unternehmen möglicherweise dadurch Schaden genommen hat. Er spricht Ihnen eine förmliche Abmahnung aus. Doch wann ist eine Abmahnung wirksam? Welche Folgen kann sie haben? Und wie sollten Sie sich jetzt verhalten?

Das muss eine Abmahnung enthalten, um wirksam zu sein

  • Der Arbeitgeber rügt die Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten
  • Die Pflichtverletzung muss konkret benannt sein
  • Er weist auf arbeitsrechtliche Konsequenzen im Wiederholungsfall hin, insbesondere die Kündigung
  • Die Abmahnung muss innerhalb einer angemessenen Frist ausgesprochen werden

Von Ermahnung bis zur Drohung

Mit einer Abmahnung hält sich ein Arbeitgeber alle Türen offen. Vielleicht will er Ihnen nur einen Warnschuss verpassen, Sie aber weiter beschäftigen. Oder er will Sie entlassen. Ohne eine förmliche Abmahnung kann er das kaum tun. Denn nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts muss vor fast allen verhaltensbedingten Kündigungen eine Abmahnung ausgesprochen worden sein. Auf sie kann ein Arbeitgeber nur bei besonders schweren Pflichtverletzungen wie Diebstahl oder Unterschlagung verzichten.

So können Sie reagieren

Bestätigen Sie allenfalls den Erhalt, jedoch niemals den Inhalt der Abmahnung. Dazu sind Sie nicht verpflichtet. Prüfen Sie zeitnah, was an den Anschuldigungen dran ist. Legt man Ihnen zum Beispiel zur Last, nicht termingerecht gearbeitet zu haben? Dann dokumentieren Sie die anderen Aufgaben, die gleichzeitig erledigt werden mussten. Das kann wichtig sein, fall es zu einem Prozess kommt. Sie halten die Abmahnung für ungerechtfertigt oder unverhältnismäßig? Dann haben Sie verschiedene Möglichkeiten, dagegen vorzugehen:

  • Sie lassen einen Widerspruch bzw. eine Gegendarstellung in die Personalakte aufnehmen
  • Sie beschweren sich beim Betriebsrat
  • Sie verklagen Ihren Arbeitgeber auf Entfernung der Abmahnung aus der Personalakte. Allerdings würde ein Gang vor das Gericht das Arbeits- und Vertrauensverhältnis schwer belasten

Eine andere, jedoch riskante Strategie: Sie unternehmen zunächst nichts. Denn Sie sind davon überzeugt, dass die Abmahnung aus förmlichen oder inhaltlichen Gründen nicht haltbar ist. Bei einer späteren Kündigung hätte der Arbeitgeber es schwer, wenn er sich auf eine ungerechtfertigte Abmahnung beruft. Der Kündigung wäre womöglich der Boden entzogen. Am besten lassen Sie sich von einem Fachanwalt für Arbeitsrecht beraten, wenn Sie eine Abmahnung bekommen haben.

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Kommentare


Jan Schneide schreibt am 09.05.2018 um 10:59 Uhr:

Mein Onkel hat bei der Arbeit eine Abmahnung bekommen. Er lasst sich von einem Fachanwalt für Arbeitsrecht beraten, weil er damit nicht einverstanden ist. Dies ist jedoch eine schwierige Situation. Wenn man es in Frage stellt, wird es die Beziehung zu Ihrem Arbeitgeber noch weiter verschlechtern. Raten Sie es immer an sich beraten zu lassen?


Yvonne Kuefer schreibt am 25.07.2017 um 10:16 Uhr:

Hallo Jonas,
ich hätte an deiner Stelle genau das Gleiche getan! Eine Abmahnung schockt natürlich erstmal und ohne einen Anwalt, kommt man wahrscheinlich nicht weiter.
Viele Grüße Yvonne


Jonas schreibt am 20.07.2017 um 13:13 Uhr:

Guten Tag liebe Mitleser,
vielen Dank für diese hilfreichen Tipps. Ein Bekannter von mir hat letztens ebenfalls eine Abmahnung von seinem Arbeitgeber bekommen und ist nun sehr verzweifelt und weiß nicht, was er machen soll, weil er dadurch sehr panisch ist und sich nun noch weniger auf die Arbeit konzentrieren kann. Ich habe ihm empfohlen, sich an einen Fachanwalt für Arbeitsrecht zu wenden, um sich optimal beraten und unterstützen zu lassen.


Sibille Kampingen schreibt am 10.01.2017 um 09:01 Uhr:

Das Thema ist ziemlich heikel. Bei kniffeligen Fragen rund um das Arbeitsrecht sollte man vielleicht wirklich nicht davon absehen einen Rechtsanwalt für Arbeitsrecht hinzuzuziehen. Bei der Recherche ist mittlerweile das Internet auch eine echt gute Hilfe.


Sibille Kampingen schreibt am 06.01.2017 um 10:40 Uhr:

In komplizierteren Fällen ist es vielleicht hilfreich einen Anwalt für Arbeitsrecht aufzusuchen, der sich mit der Rechtslage besser auskennt. Im Zeitalter des Internets ist die Suche ja ziemlich vereinfacht.


Wolfgang Eisenhower schreibt am 27.07.2016 um 12:13 Uhr:

Eine Kündigung ist immer ein Tiefschlag. Allerdings muss man diese nicht immer einfach so hinnehmen. Am besten lässt man sich von einem Anwalt für Arbeitsrecht ausgiebig beraten, was für Möglichkeiten es gibt.